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Grundlagen

Jugendpolitik und Offene Jugendarbeit


Der Auftrag der Jugendarbeit Cham ist im "Grundlagenpapier Jugendpolitik und offene Jugendarbeit" festgehalten. Das Grundlagenpapier wurde am 16. August 2011 vom Gemeinderat Cham verabschiedet.

Grundlagenpapier Jugendpolitik und Offene Jugendarbeit
Ein beliebter Ort bei Chamer Jugendlichen: Der Bahnhof.

Grundlagenpapier Jugendpolitik und offene Jugendarbeit

Im Rahmen der Organisationsüberprüfung Jugendarbeit Cham führte die Jugendarbeit Cham zusammen mit inplus gmbh im Herbst 2010 eine Bedarfsanalyse unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch. Die Resultate der Analyse wurden dem Gemeinderat, der Geschäftsleitung der Einwohnergemeinde sowie der Sozialkommission zur Vernehmlassung unterbreitet. Danach besprach eine Echogruppe den festgestellten Handlungsbedarf, priorisierte diesen und leitete daraus mögliche Strategien ab. Die Ergebnisse der Echogruppe wurden am 28. Juni 2011 vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und diskutiert.

Ausgehend vom Strategiepapier zur Jugendpolitik und offenen Jugendarbeit vom 21.02.2002 und aufgrund der Ergebnisse des Organisationsüberprüfungsprozesses hat eine Projektsteuergruppe die grundsätzliche Ausrichtung der offenen Jugendarbeit in der Gemeinde Cham überarbeitet. Die neue Ausrichtung steht in direktem Zusammenhang mit dem Leitbild der Gemeinde Cham sowie den jeweiligen Legislaturzielen und soll in regelmässigen Abständen überprüft und wo nötig, angepasst werden.


Grundsatz

Der Gemeinderat Cham hat am 21.02.2002 beschlossen, dass Jugendpolitik und Offene Jugendarbeit eine Aufgabe der Gemeinde im Rahmen der gemeinwesenorientierten Prävention ist. Der Gemeinderat entscheidet über Umfang und Richtung der Jugendpolitik, der Jugendförderung und der Offenen Jugendarbeit.


Definition Jugendpolitik/Jugendförderung

Jugendpolitik ist eine auf Schutz und Förderung der Jugend sowie Wahrung der Interessen junger Menschen ausgerichtete Politik. Die Jugendpolitik einer Gemeinde umfasst alle auf Jugendliche bezogenen politische Forderungen, Programme und Aktivitäten. Sie definiert die Jugendförderung in der Gemeinde. Die Jugendförderung regelt die Umsetzung der Jugendpolitik. Dadurch umfasst Jugendförderung alle Formen der Unterstützung im ausserschulischen Jugendbereich. Dazu gehören die Vereins-, die Verbands- und die Offene Jugendarbeit.

„Im Sinne von Art. 41 Abs. 1 Bst. g BV kann Kinder- und Jugendförderung als die Förderung von Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu selbstständigen und sozial verantwortlichen Personen und die Unterstützung ihrer sozialen, kulturellen und politischen Integration verstanden werden. In Abgrenzung zur Kinder- und Jugendförderung im weiteren Sinne, die auch den familiären und schulischen Bereich einbezieht, umfasst Kinder- und Jugendförderung im engeren Sinne alle Formen der Unterstützung von Angeboten, Diensten, Einrichtungen und Trägern der ausserschulischen Kinder und Jugendarbeit mit den oben genannten Zielsetzungen. In Abgrenzung zur öffentlichen Politik des Jugendschutzes und der Jugendhilfe, die auf Schutzmassnahmen, auf Lösung konkreter Probleme von Gefährdung oder Not abzielt, möchte die Förderungspolitik günstige Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer sich Kinder- und Jugendliche entfalten können.“ (EDI/BSV, 2008)


Definition Offene Jugendarbeit

„Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein Teilbereich der professionellen Sozialen Arbeit mit einem sozialräumlichen Bezug und einem sozialpolitischen, pädagogischen und soziokulturellen Auftrag. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit begleitet und fördert Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Dabei setzt sie sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche im Gemeinwesen partnerschaftlich integriert sind, sich wohl fühlen und an den Prozessen unserer Gesellschaft mitwirken. Kinder und Jugendliche an den Prozessen unserer Gesellschaft beteiligen heisst: Ressourcen vor Defizite stellen, Selbstwert aufbauen, Identifikation mit der Gesellschaft schaffen, integrieren und Gesundheitsförderung betreiben. Offene Kinder- und Jugendarbeit grenzt sich von verbandlichen oder schulischen Formen von Jugendarbeit dadurch ab, dass ihre äusserst unterschiedlichen Angebote ohne Mitgliedschaft oder andere Vorbedingungen von Kindern und Jugendlichen in der Freizeit genutzt werden können. Offene Kinder- und Jugendarbeit ist monetär nicht profitorientiert und wird zu einem wesentlichen Teil von der öffentlichen Hand finanziert.“ (DOJ, 2007)


Arbeitsschwerpunkt & Leitsätze Offene Jugendarbeit

Die offene Jugendarbeit kennt zwei verschiedene Grundausrichtungen: Hilfe in der Lebensbewältigung und Ermöglichung von Lebensgestaltung. Die Jugendarbeit Cham hat ihren Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Lebensgestaltung (Ermöglichung von Mitbeteiligung und Unterstützung zur selbstgesteuerten und aktiven Freizeitgestaltung). Punktuell kann sie sich auch im Bereich der Lebensbewältigung (Unterstützung in schwierigen Lebensphasen resp. bei problematischen Verhaltensweisen) engagieren. Sie verpflichtet sich zu den drei Grundprinzipien: Prinzip der Offenheit, Prinzip der Freiwilligkeit und Prinzip der Partizipation.
Ausgehend von den Resultaten der Organisationsüberprüfung und dem Teamprozess orientiert sich die Jugendarbeit Cham in Zukunft an folgenden Leitsätzen:

1. Die Jugendarbeit Cham ist die Drehscheibe für Jugendanliegen im Freizeitbereich.
Sie arbeitet partizipativ/partnerschaftlich, abteilungsübergreifend/interdisziplinär und ist im Gemeinwesen gut vernetzt.

2. Die Jugendarbeit Cham fördert eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung und stärkt dadurch die Persönlichkeit der Jugendlichen und ihre persönliche Identifikation mit der Gemeinde.
Sie fördert Jugendlichen indem sie sie fordert.

3. Die Jugendarbeit Cham setzt sich mutig, vielfältig und kreativ für die Anliegen der Jugendlichen ein.
Sie kennt die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen, hat kompetente und vertrauensvolle Ansprechpersonen und unterstützt Jugendliche in der Umsetzung ihrer Bedürfnisse.


Zielgruppen Offene Jugendarbeit

Die Zielgruppen der Jugendarbeit Cham sind in drei Kategorien unterteilt. Der Einsatz der personellen und finanziellen Ressourcen richtet sich nach der Priorisierung der Zielgruppen. Die Zielgruppen sind aufgrund der Organisationsüberprüfung wie folgt angepasst worden:

1. Primäre Zielgruppe
Oberstufenschüler/innen -> sämtliche Angebote

2. Sekundäre Zielgruppe
Primarschüler/innen (5. und 6. Klasse) -> spezifische Angebote
Primarschüler/innen (1. bis 6. Klasse) -> Mitwirkung und Projekte

3. Tertiäre Zielgruppe
16 bis 22-jährige -> Mitwirkung & Raumvermietungen
Erwachsene und Vereine -> Raumvermietungen & Kooperation


Strategische Ziele Jugendpolitik & Jugendarbeit Cham

Die strategischen Ziele basieren auf den in der Bedarfsanalyse festgestellten Hauptthemen, bei denen die Echogruppe und der Gemeinderat Handlungsbedarf sehen. Die strategischen Ziele sind in fünf Themenfelder unterteilt.

a) Die Gemeinde Cham hat das Thema „Jugend“ in ihre Politik aufgenommen. Ein Fachgremium für die Koordination der Jugendförderung ist eingerichtet und schafft die nötigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Jugendpolitik.
Jugendliche besitzen in einer Gemeinde meisten wenig Definitions- und Entscheidungsmacht. Die Politik einer Gemeinde ist oft weit von den Themen der Jugendlichen entfernt und braucht in der Umsetzung einer nachhaltigen Jugendpolitik fachliche Unterstützung. Durch das Zusammenspiel zwischen Fachgremium und Politik können Themen frühzeitig erkannt und gezielte Massnahmen eingeleitet werden. Es ist nachhaltiger und kostengünstiger, kontinuierlich an Rahmenbedingungen und Themen zu arbeiten anstatt in Krisen handeln zu müssen.

b) Die Gemeinde Cham verfügt in der Offenen Jugendarbeit über eine zentrale, niederschwellige Anlaufstelle, die für Jugendliche innerhalb ihrer Lebenswelt gut erreichbar ist.
Die Jugendarbeit wird als Teil der Lebenswelt der Jugendlichen wahrgenommen. Das bedingt, dass die Anlaufstelle für Jugendliche niederschwellig erreichbar ist. Dadurch können ihre Ideen und Bedürfnisse frühzeitig besprochen und Projekte mit ihrer Mitwirkung unmittelbar realisiert werden.

c) Die Gemeinde Cham setzt sich für die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen im Gemeinwesen ein und schafft dazu die nötigen Rahmenbedingungen.
Kinder und Jugendliche wollen ernst genommen werden und brauchen in der Umsetzung ihrer Ideen Unterstützung. Dadurch erfahren sie demokratische Grundregeln und integrieren sich in den Lebensraum einer Gemeinde. Mitwirkung muss jedoch gelernt werden. Sie fördert die Identifikation mit der Gemeinde und stärkt das Verantwortungsbewusstsein.

d) Die Gemeinde Cham setzt sich dafür ein, dass auch Jugendliche Orte im öffentlichen Raum nutzen können.
Jugendliche befinden sich in einer Lebensphase starker persönlicher Entwicklung. In dieser Lebensphase brauchen Jugendliche den Austausch untereinander und Raum für Experimente. Jugendliche wollen in dieser Lebenphase gestalten, ausprobieren, Grenzen testen und sich einander annähern. Dies soll nicht abseits der Gesellschaft passieren, sondern als Teil der Gesellschaft wahrgenommen und akzeptiert werden.

e) Die Gemeinde Cham setzt sich für jugendgerechte Anlässe/Feste ein und ermöglicht Jugendlichen, diese Angebote mitzugestalten.
Ausgang ist für Jugendliche sehr zentral. Wenn Jugendliche sich an bestehenden Anlässen beteiligen können, werden die Anlässe/Feste vermehrt wieder zu ihren Treffpunkten innerhalb der Gemeinde. Dies stärkt die Identifikation mit der Gemeinde und beheimatet dadurch Jugendliche wieder vermehrt in Cham.


Evaluation

Diese strategischen Ziele dienen dem Fachgremium Jugendförderung in der Legislaturperiode 2011-2014 als Handlungsorientierung. Nach Ablauf der Legislatur soll das Grundlagenpapier überprüft und die Jugendpolitik/Jugendförderung aufgrund der gemachten Erfahrungen neu festgelegt werden.


Vom Gemeindrat verabschiedet am 16. August 2011.
 
Download: Grundlagenpapier_zur_Jugendpolitik_und_Jugendarbeit_-_16_08_2011.pdf (45.9 kB)

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